Biogasanlagen

„Sommerexkursion“ der Feuerwehrkommandanten

Zur diesjährigen „Sommerexkursion“ der Feuerwehrkommandanten im Rems-Murr-Kreis lud Kreisbrandmeister Andreas Schmidt nach Rudersberg, wo im Ortsteil Schlechtbach Feuerwehrmann Andreas Daferner seine Biogasanlage vorstellte. Hauptaugenmerk des Abends war, welche Gefahren auf einer solchen Anlage entstehen können und wie die Feuerwehr damit umgehen muss.

Auftakt des Abends bildete zunächst ein Vortrag von Markus Weber aus Schwäbisch Gmünd. Der Landwirtschaftsingenieur, selbst Feuerwehrmann und Autor zahlreicher Fachpublikationen, stellte anschaulich Aufbau, Funktion und Wirkungsgrad von Biogasanlagen vor und welche Einsatzszenarien für Feuerwehr und Rettungsdienst dabei entstehen können. Interessant für die Zuhörer war, dass „jedes organische Material“ in einer Biogasanlage verwertet werden kann. So würden in Norddeutschland beispielsweise auch Schachtabfälle aus den Niederlanden zugeführt – anders als bei uns im Süden, wo hauptsächlich pflanzliche Substanzen eingesetzt würden. In einem sogen. Fermenter bereiten Mikroorganismen das Material aus pflanzlichem oder tierischem Ursprung für den Prozess der Gasgewinnung vor. Dabei muss zunächst Wärme zugeführt werden, teilweise werden auch sogen. Additive zugesetzt, um den Prozess schneller in Gang zu bringen.

In thermophilen Anlagen entstehen Temperaturen zwischen 50 und 57 Grad Celsius, während mesophile Anlagen zwischen 27 und 42 Grad arbeiten. Die Anlage in Schlechtbach liefert 500 KW; hierfür werden pro Jahr etwa 12 500 Tonnen Biomais benötigt. Im Fermenter entsteht nun Rohgas, das zwischen 40 und 75 % Methan (CH4) enthält – der eigentliche Brennstoff, der in einem Gasspeicher eingelagert wird. Kohlenstoffdioxid entsteht bei dem Fermentierungsprozess ebenfalls, und zwar zwischen 25 und 55 % des Gemischs. Da CO2 schwerer als Luft ist und Sauerstoff verdrängt, entstehen hier nicht zu unterschätzende Gefahren, sollte das Gasgemisch austreten. Hier ist für die Einsatzkräfte in jedem Fall umluftunabhängiger Atemschutz vorgegeben. In geringen Mengen entsteht auch Ammoniak. Gefährlich ist aber v.a. der Schwefelwasserstoff, ebenfalls schwerer als Luft.

Die Anlagen arbeiten in der Regel mit einer Versorgungsspannung von 400 Volt. Interessant aber auch Kleinigkeiten am Rande: so sind die „Not-Aus-Schalter“ solcher Anlagen nicht Ex-geschützt, was im Einsatzfall zu weiteren Gefährdungen führen kann. Auch sind oftmals Gaskühlstrecken im Boden verlegt. Deshalb ist Vorsicht geboten, wo die Einsatzfahrzeuge im Alarmfall abgestellt werden.

Weber berichtete anschaulich von Einsätzen bei Biogasanlagen im niedersächsischen Uplengen (DPD-Paketzentrum, 2015) oder in Rhadereistedt bei Bremen, bei dem wegen eines Schwefelwasserstoffaustritts im Jahr 2005 vier Menschen ums Leben kamen.

Im Anschluss an Vortrag und Besichtigung wurde am Grillfeuer die Gelegenheit zu einem intensiven Erfahrungsaustausch genutzt. Ein Dankeschön geht an Joachim Stocker und seine Kameraden von der Feuerwehr Rudersberg, die den Grillrost belegten und für gekühlte Getränke sorgten.

Weitere Informationen zum Thema Biogasanlagen: Markus Weber, www.bettringen.net

Biogasanlagen: „Sommerexkursion“ der Feuerwehrkommandanten
Biogasanlagen: „Sommerexkursion“ der Feuerwehrkommandanten
Biogasanlagen: „Sommerexkursion“ der Feuerwehrkommandanten